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UNESCO-Welterbe seit 1997

Das Haus Savoyen und Turin: Geschichte und Residenzen

Rund 300 Jahre lang regierten die Savoyer von Turin aus – erst als Herzöge, dann als Könige von Sardinien und ab 1861 als Könige von Italien. Ihre Paläste, Jagdschlösser und Villen prägen die Stadt bis heute.

  • 22 Paläste und Villen als UNESCO-Welterbe
  • Turin Hauptstadt der Savoyer ab 1562/63, Italiens 1861–1865
  • Royal Pass: 16 Residenzen in 96 Stunden
  • Bei Tiqets bis 24 Stunden vorher kostenlos stornierbar

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Wer waren die Savoyer?

Das Haus Savoyen ist eine der ältesten Herrscherfamilien Europas. Ihr Stammland lag in den Westalpen, beiderseits des heutigen Grenzverlaufs zwischen Frankreich und Italien. Als Stammvater gilt Graf Umberto Biancamano (Humbert Weißhand), der um die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert lebte.

Die Grafen von Savoyen bauten ihr Gebiet über Jahrhunderte aus, vor allem durch die Kontrolle der Alpenpässe. 1416 erhielt Amedeo VIII. von Kaiser Sigismund den Herzogstitel. Hauptstadt war lange Chambéry auf der französischen Seite der Alpen.

Turin wurde erst im 16. Jahrhundert Residenzstadt – und blieb es, bis Italien 1865 seine Hauptstadt nach Florenz verlegte. Die Savoyer regierten Italien bis zum Ende der Monarchie 1946.

Zeitleiste: von Chambéry bis zur Republik

Die wichtigsten Daten der Savoyer in Turin auf einen Blick.

JahrEreignis
1416Amedeo VIII. wird Herzog von Savoyen.
1453Das Grabtuch geht in den Besitz der Savoyer über.
1557Emanuele Filiberto siegt bei Saint-Quentin (San Quintino).
1559Frieden von Cateau-Cambrésis: Emanuele Filiberto erhält seine Länder zurück.
1562/1563Verlegung der Hauptstadt von Chambéry nach Turin.
1578Das Grabtuch kommt von Chambéry nach Turin.
1706Belagerung Turins, Gelübde von Vittorio Amedeo II. für die Basilica di Superga.
1713Vittorio Amedeo II. erhält Sizilien und wird König.
1720Tausch von Sizilien gegen Sardinien: die Savoyer werden Könige von Sardinien.
1848Carlo Alberto erlässt am 4. März das Statuto Albertino, die Verfassung.
1861Am 17. März wird Vittorio Emanuele II. König von Italien, Turin ist erste Hauptstadt.
1865Die Hauptstadt zieht nach Florenz.
1946Volksabstimmung am 2. Juni: Italien wird Republik, Umberto II. geht am 13. Juni ins Exil.
1983Nach dem Tod Umbertos II. geht das Grabtuch per Testament an den Heiligen Stuhl.
1997Die Residenzen des Hauses Savoyen werden UNESCO-Welterbe.

Von Chambéry nach Turin: 1562 oder 1563?

Den Umzug nach Turin verdanken die Savoyer Herzog Emanuele Filiberto. Im Krieg zwischen Frankreich und Spanien hatte das Herzogtum große Teile seines Gebiets verloren. Emanuele Filiberto kämpfte auf spanischer Seite und siegte 1557 bei Saint-Quentin. Im Frieden von Cateau-Cambrésis 1559 bekam er seine Länder zurück.

Danach verlegte er die Hauptstadt über die Alpen nach Turin. Beim Jahr widersprechen sich zwei offizielle Quellen:

  • 1562 nennt die UNESCO in der Beschreibung des Welterbes: In diesem Jahr habe Emanuele Filiberto seine Hauptstadt nach Turin verlegt und mit dem Ausbau begonnen.
  • 1563 nennen die Musei Reali, das Museum im ehemaligen Königspalast, für den Umzug der Hauptstadt von Chambéry nach Turin.

Beide Angaben beschreiben denselben Vorgang. Der Wechsel des Hofes fiel in diese beiden Jahre – wer exakt sein will, schreibt „1562/63“.

Turin war damals noch eine kleine Stadt mit römischem Straßenraster. Die Savoyer bauten sie zur barocken Residenzstadt aus: mit Palästen rund um die Piazza Castello, geraden Achsen und Plätzen. Wie weit der römische Kern heute noch sichtbar ist, zeigt dir das Quadrilatero Romano.

Piazza San Carlo in Turin von oben – barocker Platz der savoyischen Hauptstadt
Foto: Riccardo Zerbinati / Pexels

Die wichtigsten Figuren

Sechs Savoyer, deren Spuren du in Turin bis heute siehst.

Emanuele Filiberto

1528 in Chambéry geboren, Herzog ab 1553, gestorben 1580 in Turin. Er machte Turin zur Hauptstadt, holte die Universität 1566 in die Stadt und ließ in amtlichen Urkunden Italienisch und Französisch statt Latein verwenden. 1564 kaufte er die Villa am Po, aus der das Castello del Valentino wurde. Zum Dank für den Sieg bei Saint-Quentin versprach er eine Kirche – die spätere Real Chiesa di San Lorenzo.

Carlo Emanuele I.

1562 in Rivoli geboren, Herzog von 1580 bis 1630. Er heiratete 1585 die spanische Infantin Katharina und führte zahlreiche Kriege, unter anderem um die Markgrafschaft Saluzzo. In seiner Regierungszeit begann Ascanio Vitozzi 1584 mit dem Projekt des Palazzo Reale, 1607 der Bau der Grabtuchkapelle. Den Kapuzinern schenkte er den Hügel des heutigen Monte dei Cappuccini.

Christina, Madama Reale

Christina von Frankreich (1606–1663), Tochter König Heinrichs IV., heiratete Herzog Vittorio Amedeo I. Ab 1620 ließ sie das Castello del Valentino zur Lustresidenz umbauen. Nach dem Tod ihres Mannes 1637 regierte sie als Regentin für ihre minderjährigen Söhne. Als „Madama Reale“ gab sie dem Palazzo Madama seinen Namen: Ab den 1640er-Jahren war er offizielle Residenz der beiden Madame Reali.

Vittorio Amedeo II.

Er verteidigte Turin 1706 gegen die Belagerung durch die Armee Ludwigs XIV. und gelobte dafür die Basilica di Superga. 1713 erhielt er Sizilien und den Königstitel, 1720 tauschte er Sizilien gegen Sardinien. Sein Hofarchitekt Filippo Juvarra baute Superga, die Galleria Grande in Venaria und ab 1729 das Jagdschloss Stupinigi.

Carlo Alberto

1798 in Turin geboren, König von Sardinien von 1831 bis 1849. Er gründete 1832 die Galleria Sabauda und eröffnete 1837 die Armeria Reale, heute Teil der Musei Reali. Am 4. März 1848 erließ er das Statuto Albertino. Nach der Niederlage bei Novara dankte er am 23. März 1849 ab und starb im selben Jahr in Porto. Sein Sarkophag steht in der Krypta von Superga.

Vittorio Emanuele II.

Sohn Carlo Albertos, König von Sardinien ab 1849. Am 17. März 1861 wurde er König von Italien, Turin wurde die erste Hauptstadt des neuen Staates. 1865 zog die Hauptstadt nach Florenz. Mehr zu dieser Zeit liest du auf unserer Seite Turin, erste Hauptstadt Italiens.

Von Herzögen zu Königen: 1713, 1720, 1861

Den Aufstieg vom Herzogtum zum Königreich schaffte Vittorio Amedeo II. Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg erhielt er 1713 Sizilien und damit eine Königskrone. Im Palazzo Madama feiert ein Saal von 1713/14 genau diesen Übergang vom Herzogtum zum Königreich. 1720 musste er Sizilien gegen Sardinien tauschen. Ab jetzt nannten sich die Savoyer Könige von Sardinien – regiert wurde aber weiter von Turin aus.

Im 19. Jahrhundert wurde Turin zum Zentrum der italienischen Einigung. Ab 1848 tagte im Palazzo Madama der Senat (Senato Subalpino), im Palazzo Carignano das Subalpine Parlament. Am 17. März 1861 wurde das Königreich Italien ausgerufen, mit Vittorio Emanuele II. als König und Turin als Hauptstadt. Nach nur vier Jahren, 1865, zog die Hauptstadt nach Florenz.

Das Ende kam nach dem Zweiten Weltkrieg. Bei der Volksabstimmung am 2. Juni 1946 stimmten 54,3 Prozent für die Republik. Umberto II., der letzte König, ging am 13. Juni 1946 ins Exil. Die Musei Reali sind seit 1946 Eigentum des Staates.

Die Savoyer und das Grabtuch

Das Grabtuch von Turin, die Sindone, gehörte rund 530 Jahre lang den Savoyern. 1453 ging es in ihren Besitz über und wurde zunächst in Chambéry aufbewahrt. 1578 ließ Emanuele Filiberto es nach Turin bringen – auch um dem Mailänder Erzbischof Karl Borromäus die Pilgerreise zu erleichtern. Erster Aufbewahrungsort war die provisorische Kirche an der Stelle der heutigen Real Chiesa di San Lorenzo.

Für das Tuch ließen die Savoyer eine eigene Kapelle zwischen Palast und Dom bauen. Die Cappella della Sindone wurde 1607 begonnen, ab 1666 übernahm Guarino Guarini. Von 1694 bis 1993 lag das Grabtuch dort, seitdem im Dom. Nach dem Brand von 1997 wurde die Kapelle restauriert und 2018 wieder eröffnet. Heute besuchst du sie im Rundgang der Musei Reali.

Als Umberto II. 1983 starb, ging das Grabtuch per Testament an den Heiligen Stuhl. Gezeigt wird es nur zu besonderen Ausstellungen im Dom. Mehr zum Grabtuch und zum Museo della Sindone findest du auf unserer Seite zum Quadrilatero Romano.

Die „Corona di Delizie“: UNESCO-Welterbe seit 1997

Seit 1997 stehen die „Residenzen des Königshauses Savoyen“ auf der Welterbeliste der UNESCO. Dazu gehören 22 Paläste und Villen, die die Herzöge ab 1562 in und um Turin bauten oder umbauten – für die Verwaltung des Staates und für Jagd, Feste und Erholung. Die meisten Bauten stammen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, von Architekten wie Ascanio Vitozzi, Guarino Guarini, Filippo Juvarra und Benedetto Alfieri.

Die Anlage folgt einem Plan:

  • Die „Command Area“ (Zona di Comando) im Zentrum: 11 Bauten in der Stadt, rund um den Palazzo Reale. Dazu gehören unter anderem Palazzo Chiablese, Palazzo Madama, Palazzo Carignano, die Armeria Reale und das Teatro Regio. Hier saßen Hof, Regierung und Verwaltung.
  • Die „Corona di Delizie“ rundherum: 11 Lustschlösser und Jagdresidenzen, strahlenförmig um die Hauptstadt verteilt – vom Castello del Valentino und der Villa della Regina in der Stadt bis nach Venaria, Stupinigi, Rivoli, Moncalieri, Racconigi, Agliè, Pollenzo und Govone. Der Name bedeutet „Krone der Wonnen“.

Viele Residenzen kannst du besichtigen, einige nur mit Reservierung oder an wenigen Tagen. Die Übersicht unten zeigt, welche Häuser du mit welchem Pass besuchen kannst.

Palazzina di Caccia di Stupinigi mit dem Hirsch auf der Kuppel
Foto: Antonio Filigno / Pexels

Die Residenzen im Überblick

Die wichtigsten Residenzen in Turin und im Umland – mit Pass-Status und Link zu unserer ausführlichen Seite.

ResidenzLageTorino CardRoyal Pass
Palazzo Reale / Musei RealiPiazza Castello, Zentrumfreifrei
Palazzo MadamaPiazza Castello, Zentrumfreifrei
Palazzo Carignano (Appartamenti dei Principi)Zentrumfrei, Reservierung Pflichtfrei, Reservierung Pflicht
Palazzo ChiablesePiazzetta Reale, ZentrumEintritt ohnehin frei, nur mit ReservierungEintritt ohnehin frei, nur mit Reservierung
Castello del ValentinoParco del Valentino, San SalvarioEintritt ohnehin frei, nur Führungen mit AnmeldungEintritt ohnehin frei, nur Führungen mit Anmeldung
Villa della ReginaHügel jenseits des Po, Borgo Pofrei, sonn- und feiertags Reservierung Pflichtfrei, sonn- und feiertags Reservierung Pflicht
Reggia di Venaria Reale mit Castello della MandriaVenaria Reale, rund 10 kmfrei (Mandria mit Reservierung)frei (Mandria mit Reservierung)
Palazzina di Caccia di StupinigiNichelino, rund 10 kmfreifrei
Castello di Rivoli (Museum für zeitgenössische Kunst)Rivolifreifrei
Castello di MoncalieriMoncalierifrei, Reservierung Pflichtfrei, Reservierung Pflicht
Castello di Racconigi, Castello di Agliè, Castello di GovonePiemontfrei (Racconigi und Agliè mit Reservierung)frei (Racconigi und Agliè mit Reservierung)
Basilica di Superga (Königsgräber)Hügel von Supergafrei (Gräber, Appartement, Kuppel)freier Zugang

Stand Oktober 2026 laut Turismo Torino und den Websites der Residenzen. Öffnungstage und Reservierungsregeln ändern sich – prüfe vor dem Besuch die Seite der jeweiligen Residenz. Die Basilica di Superga ist die Grablege der Savoyer, aber nicht Teil der 22 Welterbe-Bauten.

Wo die Savoyer begraben sind: Superga

Die Krypta der Basilica di Superga ist die Grablege des Hauses Savoyen. Vittorio Amedeo III. ließ sie von 1774 bis 1778 anlegen. Über 60 Mitglieder der Familie sind hier bestattet. Im zentralen Sarkophag liegt seit 1849 Carlo Alberto. Dazu kommen eine Kapelle der Königinnen und eine Kapelle der Infanten.

Die Gräber besichtigst du nur mit Führung. Sie dauert 45 Minuten und ist auf Italienisch, für andere Sprachen gibt es gedruckte Begleittexte. Am besten kombinierst du den Besuch mit der Fahrt in der historischen Zahnradbahn ab Sassi und dem Blick von der Kuppel. Alles zu Anfahrt, Öffnungszeiten und Eintritt steht auf unserer Seite zur Basilica di Superga.

Basilica di Superga auf dem Hügel über Turin

Residenzen mit Führung besuchen

Die Geschichte der Savoyer erschließt sich am besten mit Guide. Diese Führungen gibt es für die wichtigsten Residenzen, jeweils mit Eintritt:

Palazzo Reale: Führung

Palazzo Reale: Führung

4,8 · 609 Bewertungen

⏱ 2 Stunden🗣 Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch

Zwei Stunden durch den Königspalast, unter anderem mit Spiegelsaal, Ballsaal, Rüstkammer und Bibliothek. Sprachen: Italienisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch. Treffpunkt ist die Piazzetta Reale 1.

ab 59,00 €

Details & Buchung
Venaria Reale: Führung

Venaria Reale: Führung

4,7 · 269 Bewertungen

⏱ 3 Stunden🗣 Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch

Führung in kleiner Gruppe durch das Jagdschloss der Savoyer mit lizenziertem Guide, angeboten in mehreren Sprachen, darunter Deutsch. Treffpunkt ist vor Ort in Venaria.

ab 145,00 €

Details & Buchung
Stupinigi: Führung 90 Min.

Stupinigi: Führung 90 Min.

4,1 · 14 Bewertungen

⏱ 1,5 Stunden🗣 Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch

90 Minuten durch Juvarras Jagdschloss, höchstens 10 Personen. Sprachen: Italienisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch. Treffpunkt ist das Tor am Haupteingang.

ab 125,00 €

Details & Buchung
Superga: Königsgräber

Superga: Königsgräber

4,3 · 15 Bewertungen

⏱ 45 Minuten🗣 Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch

Führung durch die Gruft der Savoyer, den Kreuzgang und den Saal der Päpste, angeboten von der Basilika selbst. Die Führung ist auf Italienisch, mit gedruckten Begleittexten in anderen Sprachen.

ab 6,00 €

Details & Buchung

Bei allen vier Führungen ist laut Anbieter eine kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vorher möglich.

Der Royal Pass: alle Residenzen mit einer Karte

Der Turin Royal Pass ist der Schlüssel zu den Residenzen der Savoyer. Er gilt 96 Stunden ab dem ersten Scan für 16 Residenzen in Turin, rund um Turin und im Piemont – vom Palazzo Reale über Venaria und Stupinigi bis Racconigi und Valcasotto. Die Basilica di Superga ist frei zugänglich. Er gilt für einen Erwachsenen und ein Kind unter 12 Jahren mit denselben Vorteilen. Das Ägyptische Museum und das Kinomuseum sind nur ermäßigt. Den Pass bekommst du ab 30,00 €.

Für Mandria, Moncalieri, Palazzo Carignano und sonntags für die Villa della Regina musst du vorab reservieren.

Alles zum Royal Pass
Turin Royal Pass für die Residenzen des Hauses Savoyen

Royal Pass oder Torino Card?

Auch mit der Torino + Piemonte Card kommst du in die meisten Residenzen kostenlos hinein – dazu in das Ägyptische Museum und das Kinomuseum. Planst du nur Paläste und Schlösser, ist der Royal Pass meist die günstigere Wahl. Willst du Museen und Residenzen kombinieren, lohnt sich oft die Torino Card. Unser Vergleich rechnet beide Varianten mit Beispielen durch.

Zum Vergleich

Haus Savoyen und Turin: häufige Fragen

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