Kuppel und Laterne
Der Stern aus 16 Rippen mit dem Achteck der Laterne. Am besten aus der Mitte des Raums direkt nach oben schauen.
Eintritt frei
Von außen siehst du kaum eine Kirche. Innen öffnet sich über dir eine der kühnsten Kuppeln des Barock: ein Stern aus sich kreuzenden Rippen, 55 Meter hoch, gebaut von Guarino Guarini. Hier erfährst du, wie du San Lorenzo besuchst, was du dir ansehen solltest und was die Kirche mit dem Grabtuch verbindet.
ab39,00 €pro Person
Stadtführung mit San Lorenzo
Die Real Chiesa di San Lorenzo war die Hofkirche der Herzöge von Savoyen. Sie steht an der Ecke von Piazza Castello und Via Palazzo di Città, nur wenige Schritte vom Palazzo Reale und vom Palazzo Madama. Viele Besucher gehen achtlos daran vorbei, weil das Gebäude nach außen keine Kirchenfassade zeigt.
Wer hineingeht, steht in einem der wichtigsten Bauten des italienischen Barock. Der Architekt Guarino Guarini, selbst Theatinerpater, plante einen Zentralbau mit hohem Tambour und einer Kuppel, die mit allem bricht, was du aus Rom oder Florenz kennst.
Am 10. August 1557 besiegte Herzog Emanuele Filiberto von Savoyen das französische Heer bei San Quintino, dem heutigen Saint-Quentin in der Picardie. Es war der Tag des heiligen Laurentius. Emanuele Filiberto und Philipp II. von Spanien versprachen deshalb, dem Heiligen eine Kirche zu bauen.
1563 verlegte Emanuele Filiberto die Hauptstadt nach Turin. Das Gelübde erfüllte er zunächst nur provisorisch: Eine ältere, mittelalterliche Kirche im Viertel der Regierungspaläste wurde San Lorenzo geweiht. Hier fand 1578 das Grabtuch seinen ersten Platz in Turin, als es aus Chambéry gebracht wurde – um Karl Borromäus die Pilgerreise zu erleichtern.
Ein Neubau ließ lange auf sich warten. Vittorio Amedeo I. übertrug die Kirche dem Theatinerorden, am 6. Juni 1634 wurde der Grundstein nach einem Entwurf von Carlo di Castellamonte gelegt. Noch 1650 stand aber nur eine provisorische Kirche unter den Arkaden des Platzes. 1664 begann ein weiterer Anlauf nach Plänen von Amedeo di Castellamonte.
Den Durchbruch brachte Guarino Guarini, der 1666 nach Turin kam. Ab 1670 wurden die Fundamente nach seinem Entwurf gelegt. Am 27. Oktober 1679 setzte man das Kreuz auf die Laterne der fertigen Kuppel, am 12. Mai 1680 feierte Guarini selbst die erste Messe. Altäre, Stuck, Statuen und Boden folgten bis 1696.
Spätere Eingriffe prägen das Bild bis heute: eine Restaurierung von 1823 bis 1828, die Ausmalung von Kuppel und Kapellen ab 1829, die Reparatur der Bombenschäden von 1943 in den Jahren 1956/57 und Restaurierungen zu den Grabtuch-Ausstellungen 1998 und 2000. 2022/23 wurden Hochaltar und Presbyterium restauriert.
Stell dich in die Mitte des Raums und schau nach oben. Statt einer geschlossenen Halbkugel siehst du ein Geflecht aus Bögen. Acht Bogenpaare, zusammen 16 Rippen, kreuzen sich und bilden einen achtzackigen Stern. In seiner Mitte sitzt das regelmäßige Achteck der Laterne. Die offizielle Beschreibung der Kirche nennt die Form einen „umgedrehten Korb“.
Zwischen den Rippen öffnen sich Fenster in den Gewölbekappen. Das Licht fällt dadurch von vielen Seiten ein, die Konstruktion wirkt leicht und fast schwebend. Vom Boden bis zum Scheitel der Kuppel sind es 55 Meter.
Guarini war nicht nur Architekt, sondern auch Mathematiker. Er entwickelte die Kuppel aus Überlegungen zu Kegelschnitten und zur Stereometrie. Gleichzeitig sollte der Bau den Blick nach oben ziehen, zum Licht – Rechnung und Glaube in einem Bild.
Tipp: Die Kuppel wirkt am stärksten, wenn Tageslicht durch die Fenster fällt. Komm also lieber am Vormittag oder am frühen Nachmittag als kurz vor Schluss an einem trüben Wintertag.
San Lorenzo hat keine Kirchenfassade. Guarini plante zwar eine, gebaut wurde sie nie. Zur Piazza Castello hin fügt sich der Bau in die Häuserfront ein, nur Kuppel und Laterne ragen darüber hinaus. Vom Platz aus siehst du deshalb vor allem die Kuppel, nicht die Kirche.
Dem eigentlichen Kirchenraum ist das Oratorium der Addolorata vorgelagert, fast wie eine Vorhalle. Es erhielt seine heutige Form 1846. Der Kontrast zwischen unscheinbarem Äußeren und hohem, lichtem Kuppelraum gehört zum Erlebnis.
Die Adresse lautet Via Palazzo di Città 4, an der Ecke zur Piazza Castello. Achte auf die Kuppel über dem Dach: Sie zeigt dir, wo du hin musst.

Neben der Kuppel lohnt ein Rundgang durch die Kapellen. Die Kirche beschreibt sie auf ihrer Website einzeln.
Der Stern aus 16 Rippen mit dem Achteck der Laterne. Am besten aus der Mitte des Raums direkt nach oben schauen.
Entstanden ab 1680, geweiht 1696. 2022/23 wurden Hochaltar und Presbyterium restauriert.
Seitenkapellen unter anderem der Unbefleckten Empfängnis, der Geburt Christi, der Verkündigung, des Gekreuzigten und des heiligen Kajetan. Stuck und Statuen wurden bis 1696 fertig, das Chorgestühl stammt von 1730.
In der Antisakristei hängt eine Kopie des Grabtuchs, dazu die Negative des Fotografen Secondo Pia. Der Raum ist nur mit Einschränkungen zugänglich.
San Lorenzo ist eng mit dem Turiner Grabtuch verbunden. Als die Savoyer das Tuch 1578 aus Chambéry nach Turin holten, fand es seinen ersten Platz in der damaligen, provisorischen Kirche San Lorenzo.
Heute siehst du hier nicht das Original, sondern eine Kopie. Sie hängt in der Antisakristei, zusammen mit den Negativen von Secondo Pia, dessen Fotos des Tuchs berühmt wurden. Ehrenamtliche erklären die Kopie zu den angeschlagenen Zeiten. Der Raum ist nicht immer offen – frag am Eingang.
Viele Ehrenamtliche der Kirche haben sich bei den öffentlichen Ausstellungen des Grabtuchs von 1998 bis 2015 zusammengefunden. Zu den Ausstellungen 1998 und 2000 wurde die Kirche restauriert.
Das Original liegt heute im Dom, wenige Minuten zu Fuß entfernt. Es wird nur zu besonderen Ausstellungen gezeigt. Wer mehr über die Forschung zum Tuch wissen will, besucht das Museo della Sindone im Quadrilatero Romano.
Die beiden Bauten werden oft verwechselt, denn beide stammen von Guarini und liegen nur wenige Schritte auseinander.
Wenn du dich für Guarinis Architektur interessierst, kombinierst du beide: erst San Lorenzo mit freiem Eintritt, dann die Musei Reali mit der Grabtuchkapelle. So siehst du zwei völlig verschiedene Kuppeln desselben Architekten an einem Vormittag.
San Lorenzo ist eine aktive Kirche. Während der Gottesdienste sind keine Besichtigungen möglich. Für Besucher gelten diese Zeiten:
| Tag | Besichtigung | Heilige Messe |
|---|---|---|
| Montag bis Samstag | 9:00–12:00 und 15:30–18:00 Uhr | 8:00 und 18:30 Uhr |
| Sonn- und Feiertage | 15:30–18:00 Uhr (vormittags keine Besichtigung) | 9:30, 11:00, 12:00 und 18:30 Uhr |
Eintritt frei. Laut offizieller Website ist die Kirche werktags von 7:30 bis 12 und von 15:30 bis 19 Uhr geöffnet; außerhalb der Besichtigungszeiten ist sie dem Gebet vorbehalten. Stand Oktober 2026, aktuelle Zeiten: sanlorenzo.torino.it.
Führungen vor Ort: Ehrenamtliche erklären die Kirche während der Besichtigungszeiten, kostenlos und auf Italienisch. Manche sprechen weitere Sprachen, garantiert ist das aber nicht. Eine Anmeldung ist laut Turismo Torino nicht mehr nötig.
Pietre Vive: Die Gruppe bietet einmal im Monat eine kostenlose Führung durch die Kirche an, mit Blick auf Kunst und Glauben. Die Termine stehen auf ihren Social-Media-Kanälen (Instagram: pietrevive_torino).
Regeln: Gruppen sind auf 15 Personen begrenzt. Trag angemessene Kleidung. Selfies sind nicht erlaubt; verhalte dich während Gebet und Messe ruhig.
Gut kombinieren: San Lorenzo liegt mitten in Turins Sehenswürdigkeiten. Direkt nebenan liegen die Musei Reali und der Palazzo Madama, ein paar Minuten weiter der Dom und das Quadrilatero Romano. Wie du das Zentrum an einem Tag schaffst, zeigt unsere Route Turin an einem Tag.
San Lorenzo liegt an der Piazza Castello, dem zentralen Platz der Altstadt. Der Eingang ist in der Via Palazzo di Città 4, Ecke Piazza Castello.
Für San Lorenzo selbst brauchst du kein Ticket. Wenn du die Kirche im Zusammenhang mit der Piazza Castello und den Savoyer-Palästen erleben willst, passen diese Touren:

Rundgang in kleiner Gruppe über Piazza San Carlo und Piazza Carignano zur Piazza Castello mit Palazzo Reale, Palazzo Madama und der Kirche San Lorenzo; Ende an der Mole Antonelliana. Sprachen laut Anbieter: Englisch, Italienisch. Treffpunkt: Piazza C.L.N., am Brunnen.
ab 39,00 €
Details & Buchung
Führung durch den Königspalast mit Eintritt, danach Stadtrundgang durchs Zentrum, laut Anbieter auch zu San Lorenzo. Rund 3 Stunden, Sprachen: Englisch, Italienisch. Treffpunkt: Piazzetta Reale 1.
ab 79,90 €
Details & Buchung
Zweistündige Führung mit Eintritt durch die königlichen Gemächer und die Rüstkammer, direkt neben San Lorenzo. Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch.
ab 59,00 €
Details & BuchungBei allen drei Touren ist laut Anbieter eine kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vorher möglich. Ob die Kirche innen besichtigt wird, geben die Anbieter nicht an – den Innenraum kannst du zu den Öffnungszeiten jederzeit kostenlos selbst besuchen.
San Lorenzo kostet keinen Eintritt, dafür brauchst du keine Karte. Für die Nachbarn lohnt sie sich: Mit der Torino + Piemonte Card besuchst du die Musei Reali mit der Grabtuchkapelle, den Palazzo Madama und das Museo della Sindone ohne weiteren Eintritt.

San Lorenzo war die Hofkirche der Savoyer. Ihre Paläste besuchst du mit dem Royal Pass: Er gilt 96 Stunden für 16 Residenzen, darunter Musei Reali und Palazzo Madama an der Piazza Castello.

Nein, der Eintritt in die Real Chiesa di San Lorenzo ist frei. Auch die Erklärungen der Ehrenamtlichen sind kostenlos.
Montag bis Samstag von 9 bis 12 und von 15:30 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 15:30 bis 18 Uhr. Während der Messen sind keine Besichtigungen möglich.
Der Theatinerpater und Architekt Guarino Guarini. Er kam 1666 nach Turin, ab 1670 wurde nach seinem Entwurf gebaut, am 12. Mai 1680 feierte er die erste Messe.
Sie besteht aus acht sich kreuzenden Bogenpaaren, also 16 Rippen, die einen achtzackigen Stern mit der achteckigen Laterne in der Mitte bilden. Zwischen den Rippen fällt Licht durch Fenster ein. Bis zum Scheitel sind es 55 Meter.
Guarini entwarf zwar eine Fassade, sie wurde aber nie gebaut. Die Kirche fügt sich in die Häuserfront der Piazza Castello ein; von außen siehst du vor allem die Kuppel.
Sie geht auf ein Gelübde zurück: Am 10. August 1557, dem Tag des heiligen Laurentius, siegte Herzog Emanuele Filiberto bei San Quintino über die Franzosen. Daraufhin wurde dem Heiligen eine Kirche versprochen.
Nein, nur eine Kopie in der Antisakristei, zusammen mit den Negativen von Secondo Pia. Das Original wird im Dom aufbewahrt und nur bei besonderen Ausstellungen gezeigt. 1578 lag das Grabtuch allerdings tatsächlich zuerst in der damaligen Kirche San Lorenzo.
Nein. Beide stammen von Guarini, die Grabtuchkapelle gehört aber zu den Musei Reali und ist nur mit deren Ticket zugänglich. San Lorenzo ist eine eigenständige Kirche mit freiem Eintritt.
Die Ehrenamtlichen vor Ort erklären auf Italienisch, andere Sprachen sind nicht garantiert. Eine eigene Tour für San Lorenzo gibt es bei den großen Anbietern nicht; der Highlights-Rundgang auf dieser Seite führt auf Englisch oder Italienisch an der Kirche vorbei.
Das ist nicht nötig, weil der Eintritt frei ist. Die Torino + Piemonte Card lohnt sich für die Museen nebenan, etwa Musei Reali und Palazzo Madama.